Psalm 23 – queere Übertragung

Anlässlich des tödlichen Angriffs auf den Berliner CSD 2026 hat Lisa Kluge, Vikarin in Köln, eine queere Übertragung von Psalm 23 verfasst und in den sozialen Medien geteilt.

Mit dieser Übertragung greift sie die biblische Zusage von Trost, Begleitung und Hoffnung auf und bringt sie mit den Erfahrungen queerer Menschen in Verbindung.

Der Psalm kann gerne gelesen, geteilt und in Gottesdiensten, Andachten oder anderen kirchlichen Zusammenhängen verwendet werden:

 

 

gott* ist unsere hirtin. irgendwann wird es uns an nichts mehr mangeln. 

auf einer grünen wiese, dicht bewachsen, mit blumen, lilien, rosen, und tulpen, lässt gott* uns atmen.

gott* führt uns sanft zu frischem wasser, zu wasser, das zu lebendigkeit, freiheit und bewegung führt. 

gott* lässt unsere lebendigkeit zurückkehren, dann wenn wir müde sind, unsere stimme verstummen, wenn wir vor lauter angst, kaum noch atmen können.

gott* führt uns auf gerechte spuren, auf die straßen, die wir mit unseren liedern, rufen und unserer botschaft fluten.

wenn finsternis tief und dunkel unseren weg umgibt, dann wissen wir, wir sind nicht allein. 

ja, gott* du bist bei uns. du bist schulter zum anlehnen. stütze. du lässt aufatmen. aufrichten. immer wieder.

du deckst einen tisch für uns. direkt vor denen, die uns bedrängen, hassen und verletzen. 

mit glitzerndem, warmen, sanftem öl salbst du unser haupt. von allem schenkst du so viel ein, dass unsere becher beinahe überfließen, an mut, an kraft, an trost.

nur gutes, herzliches, freundliches willst du für unsere tage, für unser ganzes leben. 

und wir werden hier sein.

und wir werden bleiben und kämpfen, und lieben.
amen.